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Das Allheilmittel für die wirtschaftlichen Probleme der deutschen Bauchtanzszene

Posted in: Meinung
Das Allheilmittel für die wirtschaftlichen Probleme der deutschen Bauchtanzszene

Ja, der Titel dieses Beitrages ist reißerisch und ja, ich habe ihn nur gewählt, damit du ihn anklickst und den ganzen Artikel liest. Offensichtlich hat das funktioniert: Du bist hier und das ist gut, denn es gibt etwas, über das wir reden müssen.

Nun wirst du vielleicht denken, dass ich dich übers Ohr haue, ich verspreche dir ein Allheilmittel und will eigentlich nur deine Zeit stehlen – doch diese Sorge ist gänzlich unbegründet. Ich werde dir tatsächlich verraten, wie die existenziellen Probleme vieler Tänzerinnen gelöst werden können, wenn du bis zum Ende dieses Artikels bei mir bleibst.

Doch sei gewarnt: Es wird dir nicht gefallen.

Bewertungen

Zuvor möchte ich jedoch über etwas Anderes sprechen. Über Bewertungen.

Vielleicht wirst du mir zustimmen, dass Bewertungen ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags sind und wesentlich dazu beitragen unser Leben zu gestalten.

Wir bewerten, wie freundlich jemand zu uns ist, wir bewerten, wie groß das Risiko ist von einem Auto überfahren zu werden, wenn wir bei rot über die Ampel gehen, wir bewerten das Angebot im Supermarkt, die Blumen am Wegesrand, die Kleidung unserer Nachbarin und schließlich und endlich bewerten wir andere Menschen.

Immer und ständig bewerten wir unsere Mitmenschen und werden von ihnen bewertet. Das ist so und es ist grundsätzlich nicht schlimm, denn es beruht auf Gegenseitigkeit.

Auf der Bühne

Wenn wir uns aber auf eine Bühne stellen, geht die Gegenseitigkeit verloren. Die Person auf der Bühne wird von allen Anderen gesehen und setzt sich ihren Blicken und Bewertungen aus. Sie tut das auch noch freiwillig. Warum?

Wenn es einer Tänzerin nur ums Tanzen ginge, warum kann sie dies dann nicht zu Hause im Wohnzimmer machen? Warum will sie auf die Bühne? Warum stellt sie sich vor andere Menschen, krempelt möglicherweise gar ihr Inneres nach Außen und setzt sich dem Risiko aus, verletzt zu werden?

Wieso sollte das jemand freiwillig tun? Wieso tust du es?

Die Antwort darauf liegt irgendwo tief unten am Grund der menschlichen Seele und lässt sich nur ungern in Worte kleiden.

Fakt ist, dass wir in dem Moment, wo wir uns vor Anderen bewegen, bewertet werden und wir können nichts dagegen tun.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Sich von einer künstlerischen Darbietung berühren zu lassen, einen Tanz zu genießen, inspiriert zu werden – das alles sind Bewertungen der Darbietung. Wenn uns etwas gefällt, wir es schön finden, dann ist das eine Bewertung.

Ich kann ein Kunstwerk nicht wertfrei betrachten, entweder es fasziniert mich (das ist eine Bewertung) oder es fasziniert mich nicht (das ist auch eine Bewertung).

Und hier liegt meines Erachtens das Problem der Bauchtanzszene in Deutschland: Es gibt keine schlechten Tänzerinnen. Nicht, weil es keine schlechten Tänzerinnen gibt, sondern weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

„Wir dürfen das doch nicht bewerten, was eine Tänzerin auf der Bühne macht, wir müssen das genießen“, wurde mir gesagt.

Was aber, wenn ich es nicht genießen kann? Weil es grauenhaft ist! Grottenschlecht. Weil es mich kein Stück berührt, egal wie viel Mühe sich die Tänzerin gibt. Egal wie viel Mühe ich mir als Zuschauerin gebe.

Ist mit mir etwas falsch, weil mir das nicht gefällt? Ist es mein Problem, das ich mir das nicht ansehen möchte?

Die Lösung

Wenn ihr wollt, dass die Leute sich eure Shows anschauen, eure Workshops buchen und eure Ausbildung mitmachen, damit bei euch die Kasse klingelt, gibt es eine sehr einfache Lösung:

Hört auf, so eine Grütze abzuliefern!

Wenn niemand eure – ach so tollen und künstlerisch wertvollen – Darbietungen ansehen möchte, könnte das vielleicht eventuell möglicherweise den Grund haben, dass niemand sie sehen möchte. Schon mal daran gedacht?

Ob ihr die Bewegungsabfolgen in euren Tänzen nach einem hochpräzisen mathematischen Verfahren entwickelt oder auf einem (wie auch immer gearteten) Selbsterfahrungstrip die künstlerische Offenbarung gefunden habt – wenn das nicht gut ist, was ihr macht, wenn das niemanden berührt und es niemand sehen will, dann solltet ihr es lieber in eurem Wohnzimmer aufführen, anstatt die Allgemeinheit damit zu belästigen.

Wenn eure Arbeit und eure Werbung nicht begeistert, bleiben die Kunden aus. Wenn ihr mehr ausgebt, als ihr einnehmt, werdet ihr keinen Gewinn machen.
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen! Das ist keine Hexenkunst und keine Geheimwissenschaft.

Natürlich können wir uns gern gegenseitig weiter die Ohren voll flauschen und uns vorschwärmen, wie toll doch diese oder jene Veranstaltung war und wie schön es gewesen ist, mal wieder alle gesehen zu haben. Aber wenn unsere Kunst beim Publikum nicht ankommt, dann werden wir bald völlig unter uns sein.

Schuld sind immer die Anderen

Ich habe das Gejammer so satt! „Es gibt einfach zu viel Konkurrenz„, „Der Markt ist übersättigt“, heißt es immer wieder. „Die Orientalische Tanzszene war schon immer ein innerhalb fester Grenzen geschaffenes Biotop.“ Ganz ehrlich?

Auf diesem Planeten leben mehr als 7 Milliarden Menschen, die sich alle euer Getanze anschauen könnten. Und die Konkurrentinnen sind daran schuld, dass ihr nicht gebucht werdet? Ernsthaft?

„Das europäische Publikum versteht doch überhaupt nicht, worauf es beim Orientalischen Tanz ankommt“, höre ich und schüttele verständnislos den Kopf. Euer Publikum ist zu doof eure Kunst zu würdigen? Euer Publikum weiß nicht, was gut ist? Merkt ihr noch was?

„Die Qualität des Orientalischen Tanzes nimmt immer weiter zu“, sagt man und ich frage mich, ob ich auf einem anderen Planeten lebe. Die Qualität nimmt nicht zu. Sie nimmt ab. Ich weiß nicht, wie viele grauenhafte Tänzerinnen ich in der letzten Zeit gesehen habe. Es ist erschreckend!

Dagegen hilft auch die 6000. Ausbildung nicht. Denn auch da bekommen wir nur Honig ums Maul geschmiert. Wir würden so große Fortschritte machen und uns so toll entwickeln. Aber stimmt das denn? Die Lehrenden bejubeln in uns doch in erster Linie ihre eigene Arbeit.

Bewegen wir wirklich irgendjemanden oder tun wir nur, was von uns erwartet wird?

Hat es tatsächlich niemand auch nur für eine Sekunde in Erwägung gezogen, dass man eine Talentschau organisieren könnte, weil man Talente sehen möchte? Weil man genug hat, von der Grütze, die einem alle Nase lang als Kunst verkauft wird?
Nein? Traurig ist das.

Fazit

Woher sollen wir wissen, was gut ist, wenn niemals irgendetwas schlecht ist?
Wenn das, was schlecht ist, von allen Seiten gelobt wird. „Sie hat sich schließlich Mühe gegeben und darauf kommt es doch an, oder?“ Oder?

Nein! Von Bemühungen kann sich niemand etwas kaufen. Das was ankommt, ist das, was zählt. Fass dir an die eigene Nase. Such den Fehler nicht bei Anderen. Such ihn bei dir selbst. Wenn du niemanden berührst, wenn du unwirtschaftlich arbeitest, ist niemand außer dir dafür verantwortlich.

Erwarte nicht von einer Fünfundzwanzigjährigen, dass sie all deine Probleme löst.

Und da es ja scheinbar irgendwie cool ist, seinen Artikel mit zusammenhangslosen Zitaten zu beenden, schließe ich mit einem alten deutschen Sprichwort:

Was ich selber denk‘ und tu, das trau‘ ich auch andern zu.

Ende der Durchsage! Möge den Schuh anziehen, wem er passt.

(7) Comments

  1. Liebe Yuliyah,
    ich stimme Dir weitestgehend zu.
    Einen Punkt betrachtest Du aber nicht:

    Um vom Tanzen und Unterrichten leben zu können, gehört viel mehr dazu, als Talent oder wirklich gut tanzen zu können. Es gehöre Dinge dazu, wie geschicktes Marketing, Buchhaltung, Netzwerken und und und. Jemand der toll tanzt und/oder unterrichtet, erfüllt vielleicht in einem der anderen Felder nicht alle Kriterien. Wenn dann kein Manager zur Hand ist bzw. bezahlt werden kann ;), sieht es schlecht aus.
    Ein Beispiel: Ich kann noch so toll tanzen, wenn ich nicht in der Lage bin, meine Gage zu berechnen und auch entsprechend auszuhandeln, wird das nichts.

    Umgedreht kenne ich viele TänzerInnen und DozentInnen, die gar nicht so gut sind, sich aber so gut verkaufen können, dass das Geschäft brummt. Oder die einfach bessere Rahmenbedingungen haben (sehr günstige Räumlichkeiten, weit und breit die einzige Tänzerin, die Auftritte anbietet). Jeder hat seine Talente, nicht immer ist es der Tanz.

    Zu sagen, bei der läuft es nicht, weil sie schlecht tanzt/unterrichtet, ist oberflächlich.
    Hier muss differenzierter hingeschaut werden.

    Und im Übrigen macht Konkurrenzdichte schon was aus 😉 – mein Niveau muss um so höher sein, je mehr Mitbewerber ich habe, mit denen der Kunde mich vergleichen kann. Meine Investition in und die Qualität meiner Werbung muss ebenfalls zunehmen, damit man mich noch wahrnimmt.

    Um Schuld geht es hier übrigens nicht. Der Selbständige muss ständig reflektieren und überlegen, welche Faktoren seinen Gewinn beeinflussen und wie er sie selbst beeinflussen kann.
    Liebe Grüße,
    Melanie

    • Du hast Recht. Es geht nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. Jede muss sich selbst fragen, ob sie genug und ob sie das Richtige getan hat, um ihre Situation zu verbessern.

      Außerdem meine ich das mit dem Begeistern/Überzeugen-müssen nicht nur auf den Tanz selbst bezogen, sondern allgemeiner: Wenn ich möchte, dass mir die Leute Geld für etwas geben, dann muss ich das gut machen. Ob ich nun mit meinem Tanz, meinem Unterricht, meiner Werbung oder meinen Waren meine Brötchen verdienen will, am anderen Ende muss etwas ankommen.

      Wenn meine Kund/inn/en das Gefühl haben, sie kriegen nichts für ihr Geld (oder nicht das, was sie haben wollen), dann werden sie es mir zukünftig nicht geben und mich nicht weiterempfehlen.

      Es ist hart und man braucht verdammt viele Fähigkeiten. Manch eine ist besser im Unterrichten, manch eine ist besser im Werben, aber sofern beide auf die ein oder andere Weise Erfolg haben, machen sie offensichtlich etwas richtig.

      • Liebe Yuliyah,
        ja, man muss alles zumindest gut machen. Wenn ein „sehr gut“ dabei ist, um so besser :).
        Das muss nicht immer im Tänzerischen liegen, und mit nur tänzerisch „sehr gut“ kommt man leider auch nicht weit.
        Ich hatte Deine Äußerungen sehr auf tänzerisches und Unterrichtsvermögen bezogen – danke Dir für Erläuterung!
        Liebe Grüße,
        Melanie

  2. Zunächst Yuliyah !
    Dein Artikel spricht viele Punkte an, die gerne verschwiegen werden, das ist sicher gut und notwendig. Ich erlebe in Österreich eine Szene, die in meinem Umfeld am aussterben ist und stelle fest, dass ich dennoch weiter komme. Dazu orte ich zwei grundlegende Voraussetzungen.
    Ich tanze auf einer Geburtstagsfeier nie für den Gast und nie für den Gastgeber – immer nur für mich, weil mir tanzen Spaß macht und deshalb freu ich mich darüber anderen Menschen etwas von dem Spaß abgeben zu können, den ich dabei habe.
    Wenn ich für die Unterhaltung meines Publikums tanze – dann werdet ihr euch auch gefälligst unterhalten. ??
    Diese mitschwingende Enttäuschung kommt genauso rüber wie eine Begeisterung, vorausgesetzt sie sind beide echt.
    Zum lernen und lehren muss ich unbedingt noch sagen, wir lernen keinen arabischen Tanz, wir lernen Bewegungstechnik im Stil arabischer Tanz-Rituale.
    Der arabische Tanz ist ein Solotanz = eine Person tanzt 10 oder 20 Personen schauen zu. Es schreibt ja sogar aus Amerika Jamila Salimpour in ihren Memoiren wenn sie den Schüler/innen die Choreographie wegnahm, taten sie, als hätten sie alles vergessen, was sie je gelernt haben. Also wäre es nur zu logisch auch hier etwas zu ändern, weil bei Pannen kommen Unsicherheit und Fehler besser zum Publikum als wenn alles reibungslos läuft.
    Ich sehe das so, eine Tänzerin soll eigentlich keine Schauspielerin sein, weil sie ihre Gefühle zur Musik rüberbringen sollte. Von einer Schauspielerin möchte ich, dass sie mir „Vorgaukelt“ die Gefühle der Rolle zu erleben und mich durch das Spielen begeistert. Tanzen und Schauspiel sind für mich entgegengesetzt.
    Mit der stark wirtschaftlich orientierten Betrachtung der Melanie habe ich schon deswegen ein Problem, weil ich denke jeder Beruf bietet eine Basis zum Leben, hier muss ich auch nicht überall gut sein, wirtschaftlich oder künstlerisch, wenn geht beides. Mir ist sofort ein Beispiel eingefallen: Ein Hamburger Desinfektionsmittel-Hersteller hat im 25 Liter Kanister vor ca 35 Jahren sein Produkt verkauft. Könnte man auch als Konzentrat verkaufen, aber mit guten Verkäufern kann man auch Hamburger Wasser in München los werden.
    Das sollte bei künstlerischen Tätigkeiten nicht sein. Es spielt natürlich herein, wenn „schwächere“ sich besser „verkaufen“. Dennoch glaube ich an ein längeres Regulativ – Gute Ausbildung – brauchbare Leistung sollen auf lange Sicht bestimmen wer sich besser hält.
    Die „SCHULLEHRER“ sind auch nicht alle gut, aber man diskutiert nicht so viel darüber, obwohl so mancher seine Schüler die Klasse wiederholen lässt, obwohl (oder weil) der Lehrer schlecht unterrichtet hat.
    Nun genug Text zum Schluss nur noch ein Vergleich zu uns in Österreich, ich glaube schon, es wird bei euch ähnlich sein. Zumba war der Senkrechtstarter, schön langsam macht sich eine Bauchlandung breit. Dann lieber langsam aber beständig.
    Schöne Grüße aus einem nicht minder Kriesen geschüttelten Österreich Peter

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